Berichte

Drohnenvölker auf Toleranzbelegstellen

Die Bewirtschaftung von Drohnenvölkern auf Toleranzbelegstellen ohne Medikamenteneinsatz hat sich bewährt!

Das Konzept der AGT-Toleranzbelegstellen geht davon aus, dass unter hohem Varroa-Befallsdruck Drohnenvölker mit guten Toleranzeigenschaften einen natürlichen Selektionsvorteil gegenüber relativ anfälligen Völkern erfahren. Um diesen wirkungsvollen Selektionsmechanismus nutzen zu können, müssen die Drohnenvölker allerdings möglichst kontinuierlich unter hohem Befallsdruck gehalten werden. Außerdem bedarf es einer ausreichenden Völkerzahl, damit die Verluste  parasitierter Drohnen nicht zu einem absoluten Drohnenmangel und in der Folge unzureichenden Paarungsergebnissen führen.

Inzwischen liegen mehrjährige Erfahrungswerte von verschiedenen Belegstellen vor.  Als Beispiel kann die Inselbelegstelle Norderney dienen, die seit 2005 als Toleranzbelegstelle geführt wird. Aufgrund der Insellage würde eine übermäßige Schädigung der  Drohnenvölker hier besonders  deutlich zu Tage treten, zumal die Beschickung in der Größenordnung von 1500-2600 Königinnen pro Jahr sehr hoch ist.

Bereits seit mehreren Jahren werden die etwa 35 auf der Insel aufgestellten Drohnenvölker ohne Einsatz von Medikamenten gegen die Varroamilbe gehalten. Eine deutliche  Befallsentlastung wird lediglich durch eine einmal jährlich vorgenommene  vollständige Entnahme aller Brutwaben unter Einsatz einer Fangwabe erreicht. Im Hinblick auf die bis  Anfang August währende Paarungssaison wir d die Brut auf Norderney etwa am 10. Juli entnommen. So ist gewährleistet, dass alle für den Belegstellenbetrieb benötigten Drohnen bis zu diesem Termin bereits geschlüpft oder zumindest als verdeckelte  Brut angelegt sind.

Im Zuge der Brutentnahme wird für eine gute Bauerneuerung durch helle Waben bzw. Mittelwände gesorgt. Gleichzeitgig werden die alten Königinnen ausgefangen und die für´s Folgejahr vorgesehenen Drohnenmütter  unter Futterteigverschluss eingeweiselt. Die Brutwaben werden mit wenig ansitzenden Bienen zu Brutsammlern vereinigt. Diese können nach Behandlung mit Ameisensäure oder Thyomlpräparaten ggf. als Ersatz für im Laufe des Jahres ausgefallene Drohnenvölker dienen. Zumeist besteht jedoch ein großer Überschuss an Brutsammlern, die zum Festland verbracht werden. Dort können die Bienen nach dem Schlupf aller Brut abgefegt, im Kunstschwarm behandelt und zur Verstärkung beliebiger Völker genutzt werden. Die abgefegten Rähmchen  werden eingeschmolzen und kommen mit Mittelwänden versehen im Folgejahr zurück auf die Insel.

Durch das Auswaschen von Bienenproben wird die Befallsentwicklung regelmäßig beobachtet. Sollte der Befall im Spätherbst auf mehr als 5 % (5 Milben je 10 g Bienen) anwachsen, würde sicherheitshalber eine chemische Behandlung vorgenommen.  Dies war allerdings bei den inzwischen im dritten Jahr  ganzjährig auf Norderney aufgestellten Völkern bislang noch nicht der Fall. Andererseits gewährleistet die beschriebene Verfahrensweise, dass die Völker ganzjährig mit Varroamilben konfrontiert sind  und Anfälligkeitsunterschiede im langen Zeitraum zwischen der Einweiselung der jungen Königinnen und der nächstjährigen Paarungssaison zu erheblichen Befallsunterschieden führen können. Interessanterweise konnten wir in jedem Jahr große Unterschiede beobachten: während manche Völker kaum belastet waren wuchs der Bienenbefall bei anderen  während der Drohnenaufzuchtperiode auf Werte bis zu etwa 15% an.

Dr. Ralph Büchler, LLH – Bieneninstitut Kirchhain